Stossboot

-

STOSS - BOOTE


Um 1953 war der Bestand an Dampfern und Schleppern nicht ausreichend genug, um die vielen noch aus der Vorkriegszeit stammenden Schleppkähne, wirkungsvoll einsetzen zu können.

Das bedeutet, das zwar Schiffsraum zur Verfügung stand, jedoch oftmals Tagelang auf einen Schlepper oder die Zusammenstellung eines Schleppzuges warten mußten.

Viele der Schleppkähne gehörten damals auch noch den Privatschiffern, die dadurch natürlich auch finanzielle Einbußen hatten, wenn Sie nicht in Fahrt kamen.

Somit wurde eine Vorkriegsidee wieder aufgeriffen, die einen Schleppkahn mit Hilfe eines motorisierten Beibootes, Stossboot genannt, zu Alleinfahrern machten. Der Einsatz war zwar hauptsächlich auf die Kanalfahrten begrenzt, somit aber für sehr viele, - insbesondere für die Privatschiffer - sehr von Vorteil, wurden Sie doch von der Schleppschifffahrt teilweise unabhängig.

-

Die Stossboote hatten die Hauptabmessungen :

Länge : 6 Meter / Breite : 2 Meter / Tiefgang : 0,70 Meter

Antriebsleistung : 1 Diesel - Motor mit 50 PS

-

Technische Daten / Stoßboot 50 PS (Schiffswerft Dresden Laubegast)

Der Schiffskörper wurde erbaut in Knickspant und Schraubentunnel mit angebauter Düse.

Als Maschinenantrieb dient ein Dieselmotor vom Typ 3 NVD 18 vom VEB Dieselmotorenwerk Leipzig mit 51 PS bei 1250 U/ min. Der Motor ist über ein Wendeuntersetzungsgetriebe mit der Außenwelle verbunden. Das Untersetzungsverhältnis beträgt 2 : 1, die Antriebskraft wird über eine Öldruckkupplung geleitet und gestattet somit eine leichte Fernübertragung. Der Motor selbst wird im direkten Kreislauf mit Außenwasser gekühlt. Er wird über einen Eletrischen Starter (24 V) angelassen.

Die Stossboote hatten weiterhin eine 300 Watt Lichtmaschine mit 12 Volt. Mittels Elektroleitung bekamen die Schleppkähne Fremdstrom, was nunmehr auch dem Wohnkomfort sehr zu gute kam. Bis dahin waren die bekannten Petroliumleuchten allzeits auf den Schiffen zu Hause.

Gebaut wurden ca. 55 Boote auf den Schiffswerften in Genthin, in Dresden-Laubegast, in Brandenburg/Havel, auf der Werft in Zehdenick und auf der Schiffswerft in Barth an der Küste.

36 Boote mit den Reg.Nr. S 1-500 bis 1-536 gehörten 1957 zum Bestand des VEB Binnenreederei Berlin. Fast alle übrigen Neubau-Boote gingen an Privatschiffer, einige wurden aber auch als Bugsierboote an den Werften selbst verwandt.

Im Jahre 1988 hatte die Binnenreederei jedoch nur noch 2 !!! Boote im eigenen Schiffsbestand - das waren die Boote welche die Reg.Nr.: S 1-041 und S 1-050 führten.

Weiterhin im Einsatz - sogar bis zur Wende 1989 in der DDR, waren Privatschiffer mit Ihren Schleppkähnen und dieser Antriebsform auf den Kanälen erfolgreich in Fahrt.

***

Heute sind leider nur noch wenige Vertreter dieser "Bootsklasse" vorhanden. Einige stehen in Schiffsmuseen zur Ansicht. So u.a. im Binnenschiffsmuseum in Oderberg.

In der folgenden Bildergalerie sehen Sie einige noch vorhandene Boote:

-

 
?? ?? Bauplan Stossboot  
Stossboot der MBS in Parey-Derben / ev. das Boot ex Reg.Nr. 5853 der BR Stossboot in Museum Oderberg (ev. ex S 1-988) Bauplan Stossboot der YW-Berlin 1960 / 20-30 PS  
Boot der MBS-Bln. / Parey im Museum Oderberg Yachtwerft-Bln / 1960  
1 / 2 / 3      
Ina / S 1-xxx ex Meteor / S 1-927 Hanse / S 1-970  
Stoßboot "INA" am Schleppkahn Anneliese in Eberswalde Stossboot EGON-K in Berlin Stossboot "HANSE" im Jahre 2013 in Bremerhaven  
LP in Eberswalde Egon K der BBSG e.V. Berlin Museumshafen Bremerhaven  
1   1  
 
Wer hat weitere Infos zu Verbleiben, Schiffsdaten und heutigen noch vorhandenen Booten !!!
 
 
© Uwe Giesler / Berlin