Schifferkinderheim "Fiete Schulze"
Eisenhüttenstadt (Fürstenberg / Oder)
         

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Geschichte des Schifferkinderheimes - in Fürstenberg /O. (Eisenhüttenstadt) - von 1914 bis 1990

Die Anfänge des KInderheimes liegen im Jahre 1913, wo ein reicher Kaufmann das Gelände in der Gubener Strasse 32 erwarb und das "Jungenhaus" erbauen ließ, welches 1914 fertiggestellt wurde. / Sein Beweggrund lag wohl in der Erkenntnis, das er nicht länger mit ansehen wollte, das die Schifferkinder durch die Mitfahrt auf den elterlichen Schiffen ständig die Schulen wechsel musten ... !!

Im 1. Obergeschoss befand sich der größte Schlafraum für Jungen mit 20 Betten - welche von "Erziehern" in schwarzer Dienstkleidung betreut wurden - man ahnt also bereits den Bezug zur Kirche !! - 1925 wurde das Gebäude ( *gemeint ist damit das heutige Vorderhaus* ) von der Berufsgenossenschaft der Binnenschiffer aus Breslau erworben und bekam den Namen "GOTTESANKER". Geleitet wurde das Kinderheim in Kirchlicher Führung. Dies blieb auch nach dem Krieg bis 1952 so.

Ab 1953 wurde das Kinderheim betrieblich und unter der Führung der DSU (Deutsche Schiffahrts- und Umschlagszentrale) für die Kinder der Angestellten weitergenutzt. Durch den Ausbau der Binnenschifffahrt bedingt, entstand eine große Nachfrage an Heimplätzen für Schifferkinder, was dazu führte, das ein Neubau im hinteren Teil des Grundstückes entstand. Ab 1957 war der Trägerbetrieb dann der neugegründete VEB Binnenreederei Berlin.

Traditionell waren beim fahrenden Personal, also den Besatzungen der Frachtmotorschiffe, beide Elternteile beschäftigt und befuhren gemeinsam die Seen und Kanäle. Somit war es zwingend notwendig, die Kinder während der Schulzeit, in Schifferkinderheimen unterzubringen. Während der Ferienzeit bestand die Möglichkeit die Kinder mit auf das Schiff zu nehmen. Bei den doch recht großzügig angelegten Wohnbereichen der Motorgütterschiffe, war genügend Platz für eine 4-köpfige Familie. Die Kinder verfügten sogar über ein Kinderzimmer und einen seperaten Schlafraum mit zwei Kojen.

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  das Vorderhaus

Schifferkinderheim

" Fiete Schulze "

das Vorderhaus  

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Zu Hochzeiten der Binnenschifffahrt gab es mehrere Schifferkinderheime.
Das in Eisenhüttenstadt (Ortsteil Fürstenberg/Oder) gelegene, war das größte der Objekte.
Die Liegenschaft umfasste 2 Hauptgebäude und mehrere Nebengebäude mit insgesamt 5000 qm Fläche.
Im Vorderhaus an der Gubener Strasse 32 (s.Foto) waren die Jungen untergebracht.
Das antike Gebäude war 1915 gebaut worden.
Im Kellerbereich waren ein Jugendclub (Discoraum), Duschanlagen und Hobbyräume vorhanden.
Die 1. Etage wurde als Wirtschaftstrakt genutzt. Dazu zählten u.a. die Nähstube und die Wäschekammer.

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Hier zu sehen Schifferkinder der Gruppe Jahrgang 1963/64 im Hintergrund das Hauptgebäude
das Hauptgebäude
 
alte Postkarte
Auf dieser alten Postkarte abgebildet, ist ein Blick über den Kanal auf die Rückseite des Schifferkinderheimes

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Über einen großen begrünten Hof erreichte man im hinteren Bereich das Haupthaus.
Auf dem Hof befanden sich der Spielplatz, eine "Fiete Schulze Gedenkstätte", die wir selbst mit errichtet hatten, sowie in einem Nebengebäude das Waschhaus.
Im Haupthaus waren in den oberen Etagen die Zimmer der Mädchen und die Schulgruppenräume eingerichtet.
Die Zimmer im Erdgeschoss wurden von der Verwaltung und der Heimleitung genutzt.

Desweiteren befand sich im Erdgeschoss - die Küche und der zentrale Speiseraum. Dieser wurde auch für alle anstehenden kulturellen Zwecken genutzt, da er über eine Bühne verfügte.

Dort fanden auch die Weihnachtsfeiern, Kindergeburtstage sowie Disco und Tanzveranstaltungen statt.

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Wie für alle Kinder begann auch für die Schifferkinder der 1. Schultag mit der Einschulung.

In der Schule waren wir mit anderen Kindern aus der Stadt zusammen. Der Unterschied bestand eigentlich nur darin, das unsere "Stadtkinder" nach der Schule nach Hause gingen und wir im Kinderheim unser zu Hause hatten. Dabei waren oftmals zwei und mehr Geschwisterkinder im Schifferkinderheim. "Großfamilien" waren eben in den 70´ern keine Seltenheit.

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12. Oberschule "J.W. von Goethe"
1. - 4. Klassen lernten in der Grundschule / Gubener Str.
Gebäudeansicht der Grundschule in der Gubener Strasse
beide Gebäudeteile der Oberstufe ab Klasse 5 / nach der Wende Realschule & 1994 als Schule geschlossen
5. - 10. Klassen lernten in den Gebäuden der Oberstufe
... die Klassenfotos von Einschulungen / Jugendweihen und Abschlußfotos findet ihr auf der übernächsten Seite dieser Rubrik !!!

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Neben dem "Lernen fürs Leben" fanden natürlich auch Gruppenveranstaltungen statt. Besonders beliebt waren dabei zum Beispiel die "Manöver". Das waren Sportveranstaltungen, die 1x im Jahr stattfanden und wie eine Spartakiade aufgebaut waren. Die "großen Kinder" der 9 & 10. Klasse übernahmen jeweis eine Gruppe von 9 Kindern, die dann auf einem Exkursionskurs - selbsständig den Weg zu bestimmten Manöverpunkten finden mußten. Dort angekommen erwarteten uns jeweils verschiedene Sportdisziplinen wie - Hangeln, Klettern, Geschicklichkeitslauf uvm. Am Zielpunkt angekommen wurden die erreichten Punkte und für den Kurs benötigte Zeit zusammengezählt und stellte dann die Platzierung dar. Hinterher gab es Erbsensuppe mit Bockwust - natürlich - aus der Gulaschkanone und nach der "Siegerehrung" der Besten am Abend eine Top - Disco im Speisesaal.

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  Manöverurkunde 1976 mit Gruppenfoto

Manöver - Urkunde

mit Gruppenfoto

von 1976

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In den Sommer- und den Winterferien, hatten die Kinder die Möglichkeit in ein Ferienlager des VEB Binnenreederei Berlin zu fahren um dort bei Spiel und Erholung 14 Tage lang, für ca. 20 Mark Gesamtkosten tolle Ferientage an der See oder in den Gebirgen zu verbringen. Besonders gerne besucht wurde das "Kinderferienlager in Nakensdorf" bei Wismar am Neuklostersee. Ferienlager gab es aber auch in Hertigswalde / Sächsische Schweiz und in Stadtilm / Thüringer Wald.

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Sommer & Winter - " Kinderferienlager in Nakensdorf "
  im Sommer   der Klostersee   auch im Winter schön  
Quelle: beheimatet ist an dieser Stelle heute die Ferienhaus-Siedlung der Pension Müller GbR / Vielen Dank für die Verwendung der Fotos

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Nun zurück zur "Immobilie" des Schifferkinderheimes.

Nach der Einführung der Schub - Schifffahrt und des Schichtbetriebes, gingen nach 1970 die Anzahl der mitfahrenden Frauen spürbar zurück und somit auch die Kinderzahl, welche im Heim untergebracht werden musten.

Da nicht mehr so viele Plätze benötigt wurden, schloß man als erstes 1979 das Kinderheim in Pillnitz bei Dresden.

Die verbliebenen Kinder kamen nach Eisenhüttenstadt. Es wurden nunmehr auch Kinder des "Diplomatischen Korps der DDR" mit untergebracht. Dies waren Kinder, deren Eltern im Ausland tätig waren. Teilweise im diplomatischen Dienst oder im Bereich der "Sozialistischen Aufbauhilfe".

Durch einen Brand im "Kinderheim der Jugendhilfe" in Müllrose - wobei dieses komplett ausbrannte, kam ein Teil der bisher dort untergebrachten Kinder ins Schifferkinderheim, da das zuständige Kinderheim "Ernst Thälmann" in Eisenhüttenstadt nicht alle Kinder aufnehmen konnte. / Eine weitere Veränderung - durch die verminderte Kinderzahl, war 1984 die Abgabe des "Jungenhauses" an eine Behindertenwerkstatt - der Trägerbetrieb war das Gesundheitswesen.

- die Ereignisse nach der Wende 1990 -

Durch die Geschäftsleitung der Binnenreederei wurde der Entschluss gefasst, das Schifferkinderheim - nach dem erfolgreichen Schulabschluß des letzten verbliebenen Schifferkindes (Horst Abraham) im Sommer 1990 zu schließen.

Was nun folgte, war an "Grausamkeit" kaum zu überbieten - bedingt durch die Neuentwicklungen nach der Wende - sollte wohl nichts mehr erhalten bleiben, was an die lange " Betriebs-staatliche " Geschichte wurde das Schifferkinderheimes "Fiete Schulze" erinnerte ...

Alle soz. angehauchte" Erinnerungsstücke, welche über viele Jahre erschaffen und zusammen getragen wurde (u.a. alle Arbeiten des Fotoclubs etc.) musten durch den Erzieher - Gerd Witzel und den letzten Heimleiter Bruno Wagner - im großen Heizkessel des SKH verbrannt werden - dabei beließ man es eben nicht bei den nicht mehr benötigten Pionierhalstüchern und dem FDJ - Equitment nein auch sämtliches historisch - dokumentarisches wie die Heimcronik und die Gruppenbücher , Mnöverurkunden etc. musten zwangsweise in den Heizkessel wandern ... Wir als ehemalige Heimkinder können uns sicherlich nur annähernd vorstellen, wie es den Betreuern dabei seelisch und moralisch zu Herzen ging ... wurden doch letztlich alle diese Dinge auch durch uns - in den Gruppenzirkeln und Arbeitsgemeinschaften - geschaffen. Letzlich wanderten sogar die Dekorationen die bei den Weihnachtsfeiern usw. verwendent wurden mit in den Ofen ... Bei dieser Aktion wurde somit auch ein Teil unserer Kindheit mit verbrannt !!

Einige der Erzieher wechselten in das E. Thälmann Heim in Eisenhüttenstadt und verbrachten dort noch etliche Jahre in der "neuen Gesellschaftsordnung", in Ihrem Berufszweig / Das Schifferkinderheim wurde endgültig geschlossen und das Haupthaus stand nunmehr leer. Zudem verließ auch die im Vorderhaus (Jungenhaus) durch das Gesundheitswesen genutzte Behindertenwerkstatt ihr Gebäude. In Folge dessen wurde der Gebäudekomplex zum "Dornröschenschloss" in dem die Zeit still stand. => Das Ende wäre dann der Verfall des Gebäudes. Die Stadt Eisenhüttenstadt suchte bereits seit Jahren nach einem Käufer. - Mitte des Jahres 2009 ist es nunmehr soweit endgültig Abschied vom "Jungenhaus" - mit seiner markanten farblichen Gestaltung zu nehmen - das Gebäude wurde verkauft und die ersten Bauarbeiten haben begonnen.

... Umbauten und Veränderungen ...

Das Haupthaus (Neubau / Mädchenhaus) wurde umgebaut : - im Untergeschoss (Eingangsbereich) zog eine Baufirma ein, die u.a. den Speisesaal als Lager und den Groß-Küchenbereich als Büroräume nutzt. Ein Teil der Großküche und die 2 Waschräume der Mädchen wurden zusammen gelegt und zu einer großen Wohnung ausgebaut.

Der rechte Seitenflügel im Erggeschoss , indem sich früher der Fernsehraum , die Büros der Heimleitung sowie die Krankenzimmer und Bäder befanden, - wurden zu 2 separaten Wohneinheiten umgebaut, welche man über den ehemaligen Seiteneingang auf Höhe der Traditionsecke erreichen kann - dieser ist heute frei zugänglich, da im Obergeschoss des Seitenflügel - wo sich vorher drei (3) Gruppenraüme sowie auch das Fotolabor von Bruno Wagner befanden, heute eine Arztpraxis für Neurologie befindet, wobei man dabei noch heute die hintere Mädchentreppe nutzt. Der rechts daneben gelegene Durchgang zur Terasse ist leider nicht zugänglich.

Der interessanteste Teil, ist aber der lange Flur im Obergeschoss - also den ehemaligen Schafräumen der Mädchen, dort blieb die Zeit vorerst stehen - dieser Bereich wurde erst im Jahre 2013 beginnend modernisiert. Bei meinem Besuch im Jahre 2006 war noch fast die gesamte Austattung - unbenutzt - von damals erhalten geblieben und in der Zeit sozusagen eingefroren !! - und versetzt jeden Besucher somit zwangsläufig gedanklich in seine Kindheit zurück - so erging es auch mir als ich die Gelegenheit hatte diese Räume zu besuchen - seht dazu die Fotos auf einer der Folgeseiten.

... eine filmische Rückkehr ermöglichte das RBB - Fernsehen 2013 ...

Im August 2013 drehte das Fernsehen des Rundfunks Berlin-Brandenburg in Eisenhüttenstadt zur Thematik "Leben auf & am Wasser" einen Beitrag auch über das Schifferkinderheim und seine Kinder. Zu diesem Ereignis wurde Hans-Joachim Hankel und Ich eingeladen. Einen weiteren Gast gab es durch ein Wiedersehen nach so vielen Jahren mit Frau Schneider - welche viele Jahre in unserem Schifferkinderheim als Erzieherin und später auch als Heimleiterin tätig war und Generationen von Kindern betreute.

Leider konnte trotz aller Bemühungen seitens des RBB-Fernsehens, keine Drehgenehmigung in den Innenräumen der Gebäude mit dem derzeitigen Eigner erlangt werden. - Der Beitag wurde am 11.08.2013 in der RBB-Sendung "THEODOR" ausgestrahlt.

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rbb / Rundfunk Berlin-Brandenburg das Drehteam vor dem SKH-Ehst. Wiedersehen mit Frau Schneider Themen aus Brandenburg

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Nunmehr möchte ich hier die uns bekannten ehemalige Erzieher / innen und Angestellte des Wirtschaftschaftspersonal benennen, welche uns über die Jahre liebevoll betreuten :

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... die Heimleitung in Folge ...
19xx ~ 1951 1951 ~ 1952 1953 ~ 1989 1989 ~ 1990
Frau Binjach Frau Stutzer Gisela Mai Bruno Wagner
Frauen im Erzieherkollektiv
Gisela Schneider , Frau H. Simon , Fietzke , Frau Schulz , Frau Jachmann , Veronika Fanter , Renate Grambsch , Frau Neumann , Karin Kachel , Ilse Wascher , Frau Daubitz , Frau Feist , Frau Kleinert , Frau Kuchling , Frau Zech , Frau Krause , Frau Zierke (Thierbach) , Frau Grötzner , Frau Petzold , Frau Mittag , Frau Meier , Frau Mittag / u.v.a
Männer im Erzieherkollektiv
Herr Hausknecht , Bruno Wagner , Herr Schötzow , Gerd Witzel , Herr Bornemann , Herr Schneider
.. die Helfer im Hintergrund / Wirtschaftspersonal & Verwaltung
Frau Finke , Frau Lissek , Frau Rühle , Frau Barzack , Frau Lehmann , Frau Fabian / u.v.m.
Frau Richter , Herr Kurt Priewisch
[ † ] ~ Leider sind viele dieser Mitarbeiter heute bereits nicht mehr unter uns ...

... seht was aus uns geworden ist, und wie wir heute aussehen ...
Treffen - ehemaliger Heimkinder
13. Oktober 1984
... und 1989
12. April 2008
Treffen der Heimkinder am 13.10.1984
Treffen der Heimkinder 1989
Treffen der Heimkinder am 12.04.2008 der Einschulungsjahrgänge 50er und 60er Jahre
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12. Oktober 2013
11. Oktober 2014 10. Oktober 2015
Treffen der Heimkinder 2013 in Marienwerder
Treffen der Heimkinder 2014 in Marienwerder
Treffen der Heimkinder 2015 in Zehdenick
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10. September 2016 Termin - für unser nächstes Treffen  
Treffen 2016 in Eisenhüttenstadt in Eisenhüttenstadt  
1 / 2 / 3 2017  
Hier gehts zur Fotogalerie zum SKH -Ehst. und dessen Schülern !!!
 
Fotogalerie